
Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945
30. Januar bis 26. Juli 2026
Vor 80 Jahren, am Ende des Zweiten Weltkriegs, lag Europa in Trümmern. Das NS-Regime hatte Millionen von Menschen verfolgt und ermordet sowie große Teile des europäischen Kontinents verwüstet und ausgeraubt. Nach 1945 taten sich die Deutschen schwer mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit. Die meisten verdrängten ihre Verantwortung und schwiegen über das Geschehene. Erst allmählich wandelte sich der Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus, in Ost- und Westdeutschland auf unterschiedliche Weise.
Die Ausstellung des Schulmuseums der Universität Erlangen-Nürnberg thematisiert diesen Prozess und stellt die Frage, wie wir uns zukünftig an die NS-Geschichte erinnern wollen. Sie wurde zusammen mit Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland entwickelt und richtet sich insbesondere an junge Menschen. Die Ausstellung greift die Perspektive von Kindern und Jugendlichen verschiedener Epochen auf. Sie thematisiert die Situation der Überlebenden der Verfolgung sowie der vormaligen Täter und Mitläufer aber auch deren Nachkommen.
Erinnern an die NS-Zeit
Die erste Station der Wanderausstellung war ab Juli 2025 das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors in Berlin. Vom 30. Januar bis 26. Juli 2026 ist sie im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen.
Das Begleitprogramm der Ausstellung stellt lokale Bezüge zum Thema Erinnerungskultur her. Am 25. Februar lädt das Museum zum Erzählcafé, in dem Frankfurter Initiativen (u.a. die Initiative Stolpersteine Frankfurt am Main und Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach in den Adlerwerken) von ihrer Arbeit berichten. Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 10 können am 26. Februar mit Zeitzeug:innen aus dem Rhein-Main-Gebiet ins Gespräch kommen. Und ab April führt Historikerin Kathrin Rahlwes Interessierte an wichtige Orte der Frankfurter NS-Vergangenheit.
Impressionen






Highlights im Programm
Mehr Veranstaltungen und Informationen finden Sie in unserem Kalender.
10. Juni 2026
Gesprächsrunde „Der Nationalsozialismus im Familiengedächtnis“
Der Nationalsozialismus spielt in vielen deutschen Familiengeschichten bis heute eine Rolle. Besonders in den letzten Jahrzehnten haben sich Kinder und Enkel der Kriegs- und NS-Generation intensiver mit ihrer Herkunft beschäftigt. Dabei stoßen sie oft auf bislang verschwiegene Aspekte der Vergangenheit. In der Ausstellung „Die Nazis waren ja nicht einfach weg.“ Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945 zeigt das Kapitel „Unbekanntes Erbe“ beispielhaft, wie in Familien an die NS-Zeit erinnern, wie sie nach Spuren suchen und welche Geschichten dabei in Opfer- wie Täterfamilien sichtbar werden. Die Gesprächsrunde fragt danach, was innerhalb der Familien erzählt oder verschwiegen wurde. Sie thematisiert außerdem, wie Nachkommen verborgene Geschichten aufgedeckt haben und wie sie heute mit diesen Erkenntnissen leben. Teilnehmende:
Monique Behr, Leiterin Kunsthaus Wiesbaden und Referat Bildende Kunst m Kulturamt Wiesbaden. Mit Studierenden und einem Wissenschaftler der Goethe Universität Frankfurt kuratierte sie die Ausstellung „Emil Behr. Briefzeugenschaft vor – aus – nach Auschwitz“, die 2012 im Museum Judengasse des Jüdischen Museum gezeigt wurde und brachte eine Publikation heraus. Grundlage waren Briefe ihres Großvaters, die sie wenige Jahre zuvor in einer Kiste gefunden hatte und die ihr halfen, das Schicksal ihrer Familie im “Dritten Reich” nachzuvollziehen.
Jutta Ströter-Bender, emeritierte Professorin für Kunst und ihre Didaktik an der Universität Paderborn und Mitgründerin des International Research and Archives Network for Historical Children’s and Youth Drawings (IRAND). Erst vor wenigen Jahren erfuhr sie gemeinsam mit ihrem Mann, dass ihre Schwiegermutter in der NS-Zeit als „Halbjüdin“ galt. Ihr Schwiegervater, der am nationalsozialistischen Raketenprogramm beteiligt war, konnte sie 1940 mithilfe gefälschter Papiere heiraten.
Veronika Moos, Leiterin des Malsaals am Staatstheater Wiesbaden. Aufgrund von Stolpersteinen, die sie 2019 vor dem Haus ihrer Großeltern in Wiesbaden entdeckte, begann ihre intensive Recherche über diese jüdischen Nachbarn, die den Holocaust nicht überlebten und über ihre eigene Familie. 2022 brachte sie das Buch „Nachbarn. Bahnhofstrasse 44/46“ heraus, in dem sie Briefe aus den Jahren 1939 – 1948 von beiden Familien gegenüberstellte.
Moderation: Kathrin Schön ist Kuratorin, Moderatorin und Kulturmanagerin in Frankfurt. Nach Stationen am Goethe Institut Jerusalem und dem Jüdischen Museum Frankfurt, wo sie unter anderem die Leitung der Vermittlung und das App-Projekt “Unsichtbare Orte” verantwortete, leitet sie seit 2021 die Programmabteilung der Stiftung Forum Recht.
7. Mai | 31. Mai | 11. Juni | 28. Juni
Stadtspaziergänge „Frankfurt und seine NS-Vergangenheit”
Die historischen Stadtspaziergänge durch Frankfurt mit den Historikerinnen Ann-Kathrin Rahlwes und Lisa Schrimpf führen vorbei an Orten, an denen die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus – juristisch, politisch oder zivilgesellschaftlich – stattfand. Die Spaziergänge finden an vier Terminen statt. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird erbeten. Die genauen Zeiten finden Sie im Kalender.
15. April 2026
Podiumsdiskussion: „Nach dem Erinnern? – Über die Zukunft der Erinnerungskultur“
Die Diskussion richtet den Blick auf Gegenwart und Zukunft der Erinnerungskultur: Wie verändert sich das Erinnern in einer vielfältigen, digitalen und politisch polarisierten Gesellschaft? Welche Rolle spielen politische Bildung, mediale Öffentlichkeit und postmigrantische Perspektiven? Und was bedeutet Verantwortung für Geschichte in einer Zeit, in der traditionelle Formen des Gedenkens zunehmend unter Druck geraten? Mit Marina Chernivsky (Antisemitismusforscherin), Hadija Haruna-Oelker (Diversitäts- und Rassismusforscherin) und Prof. Dr. Karim Fereidooni (Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung). In Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung.
25. Februar | 15. April | 10. Juni 2026
Fortbildung für Lehrkräfte und Multiplikatoren: NS-Vergangenheit im schulischen Kontext
Im Zentrum der Fortbildung steht das Kennenlernen der Ausstellung sowie ihres partizipatorischen Vermittlungskonzepts, das neue Zugänge zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihrer Nachgeschichte eröffnet. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Mathias Rösch, wird anwesend sein und Einblicke in die Konzeption, Zielsetzungen und didaktischen Überlegungen der Ausstellung geben. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden in moderierten Kleingruppen zeitgemäße Vermittlungsansätze zur NS-Zeit für den (außer-)schulischen Kontext.
26. Februar 2026
Kinder 1945 – Zeitzeug:innen 2025
In ihrem Dokumentarfilm „Kinder 1945 – Zeitzeugen 2025“ portraitiert Rebekka Waitz sechs Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet, die auf ihre Kindheit im Ausnahmezustand während und nach dem zweiten Weltkrieg zurückblicken. Sie berichten über den Schulbesuch, das Spielen in den Trümmern und schildern alltägliche Probleme. Ausschnitte aus dem Film bilden die Grundlage für ein Gespräch zwischen Ausstellungskurator Dr. Mathias Rösch mit den beiden Zeitzeug:innen Bruni Freyeisen und Rolf Heinemann. Die teilnehmenden Schulklassen erhalten die Möglichkeit sich im persönlichen Gespräch aktiv mit den Lebensbedingungen junger Menschen in und nach der NS-Zeit auseinanderzusetzen.
25. Februar 2026
Erzählcafé mit Initiativen zur Erinnerungsarbeit
Im Anschluss an eine gemeinsame Führung geben lokale Initiativen Einblicke in ihre Arbeit gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur. Sie berichten von ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgen im Einsatz für Aufklärung und gesellschaftliche Verantwortung. Ausstellungskurator Mathias Rösch erzählt zudem von der Entstehung der Ausstellung und von der intensiven Zusammenarbeit mit Jugendlichen, deren Perspektiven und Fragen maßgeblich in die Konzeption eingeflossen sind.
Kooperationspartner und Förderung
Schulmuseum der Universität Erlangen-Nürnberg, Alfred Landecker Foundation, Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., Fritz Bauer Institut
Programm
Termine in Juni 2026
21. Juni 2026
–
21. Juni 2026
Öffentliche Führung: Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945
An diesen Terminen führt eine Person durch die Ausstellung und vermittelt neben den Inhalten auch spannende Informationen zu einzelnen Exponaten und gibt einen Blick hinter die Kulissen.Museum für Kommunikation Frankfurt am MainAnmeldung erforderlich
Anmelden
Kosten: 4 € zzgl. Museumseintritt24. Juni 2026
24. Juni 2026
Anlässlich der in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut gezeigten partizipatorischen Ausstellung »Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945« im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main widmet sich die Tagung aktuellen Fragen der Vermittlung des Holocaust im Bildungskontext.
Dabei geht es unter anderem um Fragen wie: Welche Rolle können digitale und analoge Formate in der heutigen pädagogischen Praxis spielen? Welche methodischen Zugänge unterstützen eine sinnvolle und empathische Auseinandersetzung? Und welche Ansätze sind notwendig, um das Thema Holocaust im Kontext historischen Lernens zeitgemäß und zugänglich zu gestalten?
Veranstaltungsort:
Goethe-Universität Frankfurt am MainCampus Westend, PA-Gebäude, Lobby (Erdgeschoss)Theodor-W.-Adorno-Platz 1Frankfurt am Main, 6032325. Juni 2026
25. Juni 2026
Anlässlich der in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut gezeigten partizipatorischen Ausstellung »Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945« im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main widmet sich die Tagung aktuellen Fragen der Vermittlung des Holocaust im Bildungskontext.
Dabei geht es unter anderem um Fragen wie: Welche Rolle können digitale und analoge Formate in der heutigen pädagogischen Praxis spielen? Welche methodischen Zugänge unterstützen eine sinnvolle und empathische Auseinandersetzung? Und welche Ansätze sind notwendig, um das Thema Holocaust im Kontext historischen Lernens zeitgemäß und zugänglich zu gestalten?
Veranstaltungsort:
Goethe-Universität Frankfurt am MainCampus Westend, PA-Gebäude, Lobby (Erdgeschoss)Theodor-W.-Adorno-Platz 1Frankfurt am Main, 6032328. Juni 2026
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28. Juni 2026ACHTUNG: Diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht!
Stadtspaziergänge „Frankfurt und seine NS-Vergangenheit”
Die historischen Stadtspaziergänge durch Frankfurt mit den Historikerinnen Ann-Kathrin Rahlwes und Lisa Schrimpf führen vorbei an Orten, an denen die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus – juristisch, politisch oder zivilgesellschaftlich – stattfand.
Die Spaziergänge finden an vier Terminen statt. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird erbeten.
Treffpunkt: Museum für Kommunikation
Museum für Kommunikation Frankfurt am MainACHTUNG: Diese Veranstaltung ist bereits ausgebucht!
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28. Juni 2026
Öffentliche Führung: Die Nazis waren ja nicht einfach weg: Vom Umgang mit dem Nationalsozialismus in Deutschland seit 1945
An diesen Terminen führt eine Person durch die Ausstellung und vermittelt neben den Inhalten auch spannende Informationen zu einzelnen Exponaten und gibt einen Blick hinter die Kulissen.Museum für Kommunikation Frankfurt am MainAnmeldung erforderlich
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Kosten: 4 € zzgl. Museumseintritt