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22. Februar bis 2. April 2018

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Fotografien von Herlinde Koelbl über das Hören und Verstehen

Hören, Verstehen, Weitersagen – das sind die Regeln des beliebten Kinderspiels „Stille Post“. Auch die Kommunikation von Mensch zu Mensch funktioniert nach diesem Prinzip – ob Alt oder Jung, Schwarz oder Weiß, Mann oder Frau. In ihrem Fotoprojekt „Stille Post. Hören und Verstehen“, das vom 22. Februar bis zum 2. April 2018 im Museum für Kommunikation Frankfurt zu sehen ist, hat Herlinde Koelbl die intimen Momente des Flüsterns und Lauschens mit ihrer Kamera festgehalten.

Die renommierte Fotografin brachte dazu 28 ungleiche Paare im Studio zusammen: Frauen, Männer und Kinder aus 16 Nationen, fünf verschiedenen Kontinenten und jeden Alters – darunter auch Prominente wie die Schauspielerin Sunnyi Melles, der Barbesitzer Charles Schumann oder die Moderatorin Amelie Fried. Sie alle flüstern einander Botschaften zu. Dabei versteht jeder etwas anderes und entscheidet individuell, wie er das Gehörte interpretiert und weitergibt. Auch wenn uns als Beobachtende der Inhalt verborgen bleibt: Die in den Schwarz-Weiß-Fotografien dokumentierten Begegnungen offenbaren Vertrauen, das Sprachbarrieren überwindet, kulturelle Unterschiede aufhebt und eine Kette des Verstehens bildet.

Hören und Verstehen

Der Klassiker „Stille Post“ ruft Erinnerungen an die eigene Kindheit hervor: Eine erdachte Nachricht wird vom Ersten zum Letzten flüsternd weitergegeben und am Ende laut ausgesprochen. Der Effekt: Die ursprüngliche Nachricht wird zunehmend verfälscht, Worte und Botschaften verwandeln sich, die Sprache driftet ins Unsinnige – und führt nicht selten zu allgemeiner Erheiterung. Dabei verdeutlicht das Spiel, wie Kommunikation funktioniert und vermittelt, wie Missverständnisse und Gerüchte, aber auch Verständnis und Nähe entstehen. Herlinde Koelbls großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen, wie sich zunächst fremde Menschen – sie stammen unter anderem aus Australien, Mauritius, Schweden oder Tansania – über das Zuhören und Weitergabe des Gehörten plötzlich nahe kommen und miteinander in einen intimen Kontakt treten. Beim Flüstern, lauschen, kichern, witzeln oder nachdenken bauen sie eine Beziehung auf und überwinden die gegenseitige Fremdheit ein Stück weit. Alle Teilnehmer sind zweimal zu sehen: einmal im Profil, wenn sie flüstern. Danach sehen wir ihnen direkt ins Gesicht, wenn sie zuhören. „Beim Fotografieren war es für mich interessant, zu sehen, wie sich manchmal der Gesichtsausdruck veränderte, wenn sich die Menschen vom „Zugeflüsterten“ zum Flüsterer verwandelten. Denn einmal waren sie passiv, dann aktiv“, schildert Koelbl. Die Idee hinter ihrem Projekt erläutert sie mit der Redewendung „Dem anderen ein Ohr schenken“: „Wir erlauben dem anderen, uns sehr nahe zu kommen. Wir schenken dem andren etwas, aber der andere schenkt uns auch etwas“, erklärt Koelbl. Die Bilderserie war ein Beitrag gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsradikalismus für den Münchner Verein Lichterkette e.V., der in München seit 1992 Aktionen gegen Fremdenhass initiiert.

Über Herlinde Koelbl

Herlinde Koelbl ist seit rund 40 Jahren als Fotografin und Dokumentarfilmerin tätig. Mit ihren Arbeiten über deutsche Wohnzimmer, mächtige Persönlichkeiten und starke Frauen hat sie sich der Fachwelt und beim Publikum im In- und Ausland einen Namen gemacht. Beim Zeitmagazin gehört sie zu den Interviewern der Gesprächsreihe „Das war meine Rettung“. Ihr größtes und bekanntestes Langzeitprojekt ist „Spuren der Macht – Die Verwandlung der Menschen durch das Amt“, das 1999 als Bildband erschien. Hier porträtiert sie unter anderem den Wandel von Politpersönlichkeiten und Topmanagern. Auch ihr Projekt „Targets“, das Zielscheiben aus fast 30 Ländern als Spiegel der jeweiligen militärischen Kultur ins Visier nimmt, erregte große Aufmerksamkeit. Es wurde u.a. im Deutschen Historischen Museum (Berlin), in der Bundeskunsthalle (Bonn) und im Nobel Peace Center (Oslo) gezeigt und erschien 2014 als Buch im Prestel Verlag. Weitere Einzelausstellungen der Fotografin waren unter anderem in der Schirn Kunsthalle (Frankfurt), im Deutschen Hygiene-Museum (Dresden) und im Haus der Geschichte (Bonn) zu sehen; eine Retrospektive ihres Werks widmete ihr im Jahr 2009 der Martin-Gropius-Bau (Berlin).


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