Archiv 2005 – „Propaganda im kleinen Format.“
Briefmarkenentwürfe des Nationalsozialismus


Ob engagierter Sammler oder interessierter Laie – in den Briefmarken, die das Dritte Reich herausgegeben hat, sehen viele Menschen zu Recht zeithistorische Dokumente, die für die Machthaber eine wichtige propagandistische Funktion erfüllten. Die realisierten Briefmarken sind bekannt, doch welcher Entwurfs- und Auswahlprozess ging dem Druck voraus? Welcher grafische Stil, welche Motivauswahl wurde bevorzugt, welche Entwürfe wurden abgelehnt? Das Museum für Kommunikation zeigt vom 9. Juni bis 10. Juli 2005 im Rahmen der Forums-Ausstellung „Propaganda im kleinen Format“ eine Auswahl von rund 70 Originalentwürfen. Sie stammen aus der umfangreichen Entwurfssammlung des Archivs für Philatelie, das ebenso wie das Frankfurter Museum zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation gehört.

Die präsentierten Grafiken sind thematisch zusammengefasst unter den Oberbegriffen „Symbole“, „Stolz des Regimes“, „Meilensteine“, „Menschenbild im Nationalsozialismus“, „Führerkult“ und „Krieg“. Die gezeigten Unikate werden durch kurze Begleittexte kommentiert und demonstrieren eindrucksvoll, wie sich die Nationalsozialisten die propagandistische Wirkung der „Massengrafik Briefmarke“ zunutze machten.

Bis 1944 wurden die Marken und Entwürfe für Briefmarken in der Postwertzeichensammlung des Reichspostmuseums in Berlin aufbewahrt. Die zunehmende Bombardierung führte zur Auslagerung nach Thüringen. Dort beschlagnahmten sie die amerikanischen Streitkräfte bei Kriegsende und brachten die Bestände nach Wiesbaden. Die Briefmarkenentwürfe und Marken gelangten über das Land Hessen in Besitz der Postbehörde der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Mit dem Umzug des Postministeriums nach Bonn fand auch die Sammlung eine neue Heimat. Seit 1995 gehört sie als Archiv für Philatelie zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 70 Entwürfen zu den ca. 430 Briefmarken, die von 1933 bis 1945 von den Nationalsozialisten herausgegeben wurden und die in der Ausstellung komplett zu sehen sind. Der letzte Entwurf stammt vom Januar 1945 und erschien anlässlich des Volkssturmes. Die Marke zeigt Jugendliche und Greise in Stürmerpose unter dem Schutz des deutschen Adlers mit der Botschaft: „Ein Volk steht auf“. So begleitete die Propaganda der Briefmarken den nationalsozialistischen Terror bis zum Ende.








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